Wenn der Gast das Smartphone zückt

27. November 2018
Ohne Smartphone geht heute kaum noch was. Mithilfe von Apps kann heute in vielen Restaurants reserviert, bestellt und bezahlt werden. Das bringt viele Vorteile – sowohl für die Gastronomen wie auch für die Gäste.

Das Smartphone ist für die meisten Menschen integraler und unverzichtbarer Teil des Lebens geworden. Kaum ein Gast betritt mehr ein Restaurant ohne sein Smartphone in der Hand, mit dem er das Restaurant gefunden und dessen Bewertungen gelesen hat, mit dem er Food-Fotos macht und diese mit seinen Freunden teilt, mit dem er Emails oder News liest, während er auf das Essen wartet. Da liegt es für ein Restaurant natürlich nahe, das Smartphone des Gastes mittels einer App möglichst nutzbringend in die betrieblichen Abläufe zu integrieren.

Dass die eigene Webseite responsiv sein muss, damit sie auf dem Smartphone funktioniert, ist Pflicht und klar. Aber man kann mit dem Smartphone auch das Reservieren, Bestellen, Buchen und Bezahlen ermöglichen und sich damit Vorteile verschaffen.

Bargeld oder App: Mobile Payment weltweit

In manchen Ländern der Welt ist das mobile Bezahlen zur Alltäglichkeit geworden: In Südostasien bezahlt etwas die Hälfte der Bevölkerung regelmässig mobil. In China bezahlen 65 Prozent der Smartphone-Nutzer mit der AliPay- oder WeChat-App. Aber auch in Europa, vor allem in Skandinavien, hat sich «mobile Payment» schon durchgesetzt. In Dänemark bezahlen 50 Prozent der Bevölkerung mit der App der Danske Bank – unter anderem auch, weil Geschäfte in Dänemark kein Bargeld mehr akzeptieren müssen. Auch in Schweden akzeptieren selbst die kleinsten Cafés oft nur noch Apps, Bank- oder Kreditkarten, weil ihnen ein Kassensystem zu teuer ist und sie nicht mit Bargeld umgehen möchten.

Ganz ohne Bargeld – das ist ein Trend, für den die Schweiz vermutlich noch lange brauchen wird. Wir lieben unser Bares und die Statistiken zum Thema mobile Payment sind widersprüchlich. Laut einer aktuellen Comparis-Studie bevorzugen nur 1.2 Prozent der Befragten ihr Handy als Zahlungsmittel. Diese 1.2 Prozent scheint der Y&R Media Use Index befragt zu haben: denn hier haben 71 Prozent der Befragten schon per Smartphone online eingekauft und 42 Prozent haben es auch schon zum Bezahlen vor Ort verwendet. Mobile Payment in der Schweiz kämpft auch noch aufgrund der existierenden Insellösungen – Apple Pay, Google Pay und das relativ junge Twint behindern sich eher gegenseitig, als dass sie das Thema gemeinsam voranbringen.

Eigene Apps

Um die Vorteile der mobilen Zahlung zu nutzen, müssen Gastronomen also auf branchenspezifische Lösungen setzen. Die Eigenentwicklung von Apps kann höchstens für grosse Ketten sinnvoll sein. Für Einzelbetriebe gibt es viele Apps, die sie gegen Provision oder eine monatliche Servicegebühr ihren Gästen zur Nutzung anbieten können und sollten. Ganz allgemein sind Apps nur sinnvoll, wenn sie von Gästen auch genutzt werden. Und Gäste gebrauchen nur solche Apps, die ihnen auch wirklichen Nutzen bieten.  Das heisst, vor der Entscheidung für eine App sollte recherchiert werden, ob sie in der Region oder von entsprechenden Gästen schon genutzt wird und welche Mehrwerte sie bietet. Und eine schon im Einsatz befindliche App sollte gegenüber den Gästen auch erwähnt werden, um deren Nutzung zu fördern.

Text: Gabriele Bryant