Highclass für die Hotellerie (Teil 2/2)

14. Mai 2020
Die Produkte der Dornbracht Group finden sich in den besten Häusern der Welt – so auch in der Schweizer Luxushotellerie. marmite professional traf Firmeninhaber Andreas Dornbracht zum ausführlichen Gespräch über den Umgang mit der Covid-Krise sowie über aktuelle Trends im Hotelbadezimmer. Nach der Veröffentlichung des ersten Teils des Interviews vor einer Woche folgt nun die Fortsetzung.

(Teil 1 des Interviews finden Sie hier)

Andreas Dornbracht, dieses Jahr entfallen die grossen Fachmessen, bei denen Sie jeweils Ihre Neuheiten präsentieren. Über welche Kanäle werden Sie Ihre neuen Produkte nun dem Fachhandel präsentieren?

Auch hier werden wir verstärkt digital kommunizieren. Intern wie extern. Wir erhöhen so die Reichweite markant, da wir nicht nur den Messebesucher erreichen, sondern eine viel größere Zahl von Fachpersonen, und das global.

Dornbracht ist nicht nur in Privatbauten, sondern auch in der Hotellerie und Gastronomie sehr präsent. Können Sie uns ein paar wichtige Referenzen (international und in der Schweiz) nennen, wo Sie mit ihren Produkten präsent sind?

In der Schweiz durften wir alle Hotels des Bürgenstock Resorts ausstatten. International ist vor Kurzem das Rosewood in Hongkong live gegangen. Bei diesen zwei Hotels sind wir besonders stolz, dass wir mit unseren Produkten präsent sind. Wir sind aber aktuell nicht nur bei den Neubauten stark, sondern erfreulicherweise auch im Renovierungsbereich. Gerade jetzt, wo das Geschäft etwas ruhiger ist, weil viele Hotels geschlossen haben, können wir ein paar schöne Renovationen umsetzen. Das sind natürlich alles Objekte, wo auch Geld für Investitionen vorhanden ist. Und meist geht es nicht um die Erneuerung ganzer Hotels, sondern um Teilprojekte, etwa die Erneuerung der Zimmer auf einer Etage oder die Auffrischung von Suiten.

Der Trend geht hin vom reduzierten, puristischen zum verstärkt expressiven Design.

Nachhaltigkeit, Wohlbefinden und Gesundheit sind schon seit längerem wichtige Themen im Bereich der Badewelten. Wie setzt Dornbracht diese Kundenbedürfnisse und -ansprüche insbesondere in der Hotellerie um?

Das ist nicht unbedingt anders als daheim. Wir beobachten auch in der Hotellerie den Trend hin zum In-Room-Wellness, der auch beim privaten Bad derzeit eine grosse Rolle spielt. In der gehobenen Hotellerie, vor allem im Suiten-Bereich, lassen sich mit Wasser, Licht und Sound sehr gut Spa-Features ins Hotelzimmer integrieren. Das schätzen besonders jene Menschen, die nicht gerne in den öffentlichen Spa-Bereich gehen, sich aber trotzdem verwöhnen lassen möchten. Das ist insbesondere für jene Hotels eine Option, die nicht in der Lage sind, einen grossen Spa-Bereich anzubieten, da vielleicht der Platz dafür fehlt mitten in einer Altstadt. Oder weil der Investitionsbedarf für eine Spa-Landschaft das Budget übersteigt. In solchen Fällen kann es sich auszahlen, sich zumindest einige Spa-Suiten einzurichten.

Im Bereich Design fällt auf, dass die meisten Armaturenhersteller noch immer auf puristische Eleganz setzen. Grosse Veränderungen gab es in den letzten Jahren hingegen im Bereich der Oberflächen. Nach dem lange Zeit alles beherrschenden Chromstahl kamen zuerst die gebürsteten, also matten Oberflächen, danach folgten edle und in visueller Hinsicht eher «warme» Materialien wie Gold, Kupfer und Messing. Was kommt nun in den nächsten Jahren an Veränderungen auf uns zu?

Ich glaube, dass alles wieder expressiver und ausdrucksstärker wird. Der Minimalismus und die offensichtliche gestalterische Zurückhaltung werden sich weiter auflösen. In den letzten zwei, drei Jahren gab es bereits grosse Veränderungen bei den Oberflächen, wo ja, wie Sie richtig sagen, dunkle, warme und matte Töne ins Spiel kamen. Dieser Trend setzt sich weiter fort mit expressiverem Design, das in Richtung «back to the Seventies» geht, einer Zeit, als es in unserer Branche ja deutlich farbiger zuging. Ganz so farbig wie damals wird es wohl nicht, aber vor allem die Formen werden sicher stärker und weniger minimalistisch in der nächsten Zeit.

Starke Anleihen aus dem Art Déco prägen die Details.

Ein weiteres Stichwort, das im Zusammenhang mit dem Bad seit mehreren Jahren immer wieder fällt, ist die Digitalisierung: Was kommt Ihnen dabei spontan in den Sinn?

Das sind ganz klar die unterschiedlichen Wasserprogramme, die wir dank der neuen Technologien im Bad anbieten können. Über elektronische Ventile lässt sich heute jede Auslassstelle einzeln steuern. Es passiert also laufend etwas in der Dusche, die Wassertemperatur, das Licht, der Duft, alles verändert sich, und schlussendlich entsteht ein ganz neues Duscherlebnis, das bis zur Glückseligkeit führt.

Ein zweiter Bereich ist das Thema Komfort und die Sicherheit. In diesem Kontext führe ich gerne das Beispiel der automatischen Badewannenbefüllung an. Das lässt sich heute – sogar von unterwegs, beispielsweise schon auf dem Heimweg – ganz einfach individualisieren in Bezug auf die gewünschte Wassertemperatur, aber auch auf die bevorzugte Füllhöhe und weitere Parameter. Und zum Schluss meldet sich die Wanne, wenn sie gefüllt und bereit ist.

Digitalisierung darf allerdings nie Selbstzweck sein. Es geht nicht um Gimmicks, sondern um echte Mehrwerte. Diese sind nötig, damit sich die Digitalisierung auch beim Bad durchsetzen kann. Es geht also nicht um Utopien, sondern um Realitäten, die zunächst im gehobenen Bereich eingesetzt werden und sich nach und nach demokratisieren.

Die Strahlintensität lässt sich variieren.

Apropos Utopie: Vor sechs Jahren haben Sie mir in einem Interview ihr persönliches Szenario für das Bad der Zukunft erläutert: «Ich komme morgens ins Bad», meinten Sie damals, «und mein Bad erkennt mich. Die Lichtstimmung ist so, wie ich mir das vorstelle. Mein bevorzugter Radiosender läuft. Und auf dem Spiegel läuft die Nachrichtensendung oder die Wettervorhersage. Dann gehe ich in die Dusche. Und dort habe ich mein Lieblingsszenario auf Knopfdruck verfügbar. Ich drücke auf das Display, das Licht dimmt ab. Die Radiostation geht auf lautlos, weil ich beim Duschen kein Musik-Geplärre mag. Das chromotherapeutische Lichtmodul der Dusche bestrahlt mich mit der Energie, die ich brauche. Wenn ich das Wasser abstelle, geht das Raumlicht wieder auf die ursprüngliche Position, das Radio setzt wieder ein. Und ich gehe danach ganz entspannt in den Tag.» Hat sich Ihre Vision erfüllt? Oder anders gefragt: Wie würden Sie Ihr persönliches Bad-Wunsch-Szenario heute beschreiben?

(lacht) Ich würde es heute als Realität bezeichnen! Denn ich baue gerade so ein Bad in meinem privaten Zuhause. Es hat genau diese Features, und ich bin sicher, dass das vielleicht nicht morgen, aber sicher übermorgen auch in weiteren Haushalten der Fall sein wird. Nehmen Sie zum Vergleich das Mobiltelefon: Vor 25 Jahren gab es riesige, schwere und sehr teure Mobiltelefone, die einer kleinen Minderheit vorbehalten waren. Heute kriegen Sie für zehn Euro ein Handy. Aber es hat gedauert, bis es so weit war.

Gibt es sonst neue Trends, die sich im Bereich des modernen Bades andeuten oder zumindest vor Corona angedeutet haben?

Ich denke, dass wir über die vorwiegenden Trends bereits gesprochen haben. Allerdings gibt es einen relativ jungen Trend, der sich zum Nicht-Trend gewandelt hat: Vor einiger Zeit glaubte man, dass sich das Schlafzimmer dem Bad öffnen würde und umgekehrt. Ja, dass sich die beiden Bereiche sogar vermählen. Viele Anbieter haben dafür Lösungen und auch schöne Produkte angeboten. Doch dieser Trend hat sich ganz offensichtlich nicht durchgesetzt. Es gibt also auch Ideen, die floppen.

Ich glaube aber, dass das Thema Gesundheit künftig noch viel stärker in den Vordergrund rücken wird. In Umfragen in Deutschland hat sich gezeigt, dass die Gesundheitsfrage die wichtigste ist für den Konsumenten. Gerade in Zeiten einer Pandemie, wie wir sie jetzt erleben, wird unser Wohlbefinden noch stärker ins Zentrum unseres Interesses gerückt. Und nicht mehr so schnell verschwinden.

Interview: Philipp Bitzer
Bilder: Dornbracht Group


Zur Person

Andreas Dornbracht

Andreas Dornbracht, Jahrgang 1959, bewegt sich beruflich und privat am liebsten im magischen Dreieck von Design, Architektur und Kunst. Kommt noch das Thema Spa hinzu, ist sein Genuss vollkommen, da der persönliche Nutzen gleichzeitig privater und geschäftlicher Natur ist. Auch die Hotel- und Gastrobranche fasziniert den Unternehmer Andreas Dornbracht gleichermassen beruflich wie privat: seine Lust am Reisen ist ungebrochen und seine Affinität zur Haute Cuisine stark ausgeprägt. Andreas Dornbracht führt das Unternehmen in dritter Generation gemeinsam mit seinem Bruder Matthias Dornbracht. Mit ihren Söhnen Alexander Dornbracht und Konstantin Dornbracht ist auch die vierte Generation bereits im Unternehmen tätig.


Die Dornbracht Group

Mit ihren beiden Eigenmarken Dornbracht und Alape sowie dem Lizenzgeschäft mit Villeroy & Boch vereint die Dornbracht Group unter ihrem Dach drei Anbieter für Bad und Küche:

Dornbracht
Dornbracht ist ein international tätiger, familiengeführter Hersteller von hochwertigen Design-Armaturen und -Accessoires für Bad und Küche. Die Markenvision «Culturing Life» unterstreicht die langjährige Auseinandersetzung mit diesen Lebensräumen, die kontinuierlich zu neuen Fragestellungen und regelmässig auch neuen Technologien und Produkten führt.
www.dornbracht.com 

Alape
Alape ist eine Manufaktur für ästhetische Waschplatzlösungen im privaten und halböffentlichen Raum. Die Marke Alape steht für emotionalen Purismus: Durch einen individuellen Gestaltungsspielraum entscheiden Kunden – ganz ihrem persönlichen Stil entsprechend – über Ausprägung und Emotionalität ihres Waschplatzes.
www.alape.com

Lizenzgeschäft Dornbracht mit Villeroy & Boch
Seit 2001 ist Dornbracht Lizenznehmer der Marke Villeroy & Boch und produziert und vertreibt deren Badezimmer-Armaturen und -Accessoires. Alle Produkte werden bei Dornbracht in Iserlohn hergestellt und über die Dornbracht Vertriebsorganisationen weltweit vertrieben.