Highclass für die Hotellerie (Teil 1/2)

21. April 2020
Die Produkte der Dornbracht Group finden sich in den besten Häusern der Welt – so auch in der Schweizer Luxushotellerie. marmite professional traf Firmeninhaber Andreas Dornbracht zum ausführlichen Gespräch über den Umgang mit der Covid-Krise sowie über aktuelle Trends im Hotelbadezimmer.

Andreas Dornbracht, wir erleben gerade eine aussergewöhnliche Zeit. In welchen Bereichen ist Ihr Unternehmen am meisten betroffen von der Pandemie?

Die Corona-Krise trifft uns tatsächlich mit voller Wucht, und das global. Wir waren schon sehr früh betroffen, weil wir mit China einen guten Absatzmarkt haben. Dort hatten wir bereits im Januar einen merklichen Rückgang. Mittlerweile trifft es praktisch alle unsere Absatzmärkte. Wir rechnen dieses Jahr mit einer Umsatzeinbusse von 30 Prozent – weltweit.

Welche Massnahmen haben Sie getroffen, um möglichst unbeschadet aus der Krise hervorzugehen?

Im Vordergrund aller Massnahmen steht bei uns der Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihrer Familien. Als nächstes gilt es, die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Und dazu müssen wir schliesslich unsere Leistungsfähigkeit für unsere Kunden so gut wie möglich erhalten. Also haben wir alle, die von zuhause aus arbeiten können, ins Home Office geschickt. Alle im Unternehmen verbliebenen haben wir weitgehend separiert und durch strikte Hygienemassnahmen so gut wie möglich geschützt.

Um den bereits eingetretenen und noch zu erwartenden wirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen, haben wir Kurzarbeit eingeführt. Und wir haben die Kostendisziplin deutlich verstärkt und alle nicht absolut notwendigen Ausgaben verschoben.

In der Schweiz wird noch gebaut – zumindest auf jenen Baustellen, auf denen die behördlichen Hygienevorschriften eingehalten werden können. Wie schaut es denn diesbezüglich auf Ihrem Heimmarkt und auf Ihren wichtigsten internationalen Märkten aus?

In Deutschland wird – genauso wie in der Schweiz – noch gebaut, während in Italien, Frankreich und Spanien so gut wie nichts mehr geht. In Übersee ist es so, dass in China die Baustellen gerade wieder anlaufen. In den USA rechnen wir hingegen damit, dass die Baustellen dort ab sofort mehr oder weniger geschlossen werden, insbesondere in unseren wichtigsten Märkten Kalifornien und New York.

Hoffen wir, dass sich das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben durch die behördlichen Massnahmen möglichst rasch wieder normalisiert. Was denken Sie, wird die Welt nach Corona noch dieselbe sein wie vor dem Ausbruch der Krankheit?

Nein, das wird sie nicht. Erstens muss man ja derzeit damit rechnen, dass eine zweite Welle kommt. China beispielsweise fürchtet sich genau davor, dass die Reisenden den Virus wieder importieren. Denn das ist ja genau der Nachteil der kompletten Abschottung, dass jetzt nur relativ wenige Chinesen gegen das Virus immun sind.

Zudem glaube ich, dass sich viele Menschen nun die Frage stellen, was das alles für unser Leben bedeutet. Im Moment ist ja der Konsum stark eingeschränkt. Das kann dazu führen, dass generell stärker über das Konsumverhalten nachgedacht wird.

Drittens kann ich mir vorstellen, dass wieder verstärkt über die Qualität der Produkte gesprochen wird. Das Schnäppchen vor dem Wegwerfen, diese Art von Konsum ist ja jetzt gestoppt. Und wird vielleicht auch nicht mehr in diesem verschwenderischen Masse kommen.

Und noch etwas wird sich meines Erachtens ändern, und zwar nachhaltig: die Art und Weise, wie wir künftig geschäftlich reisen. Sehr viele Unternehmen haben derzeit positive Erfahrungen mit Video-Konferenzen gemacht. Ich denke, dass die Kommunikation in virtuellen Konferenzräumen auch nach der Zeit von verordnetem Home Office und Reiseverboten zum Standard werden wird.

Business Traveller werden künftig ganz anders unterwegs sein. Weniger häufig. Aber gezielter. Mit starken Auswirkungen auf die Hotellerie. Und dies nicht etwa zu unseren Ungunsten.

Nach dem Purismus schlägt nun die Stunde des Expressionismus im Armaturendesign.

Sie meinen damit wohl, dass der Geschäftsreisende von morgen zwar weniger oft unterwegs ist, aber dafür mehr Service erwartet. Dornbracht steht für hochwertige Armaturen und Accessoires für Bäder und Küchen. Und ist deshalb vornehmlich in der Luxushotellerie anzutreffen. Dann käme Ihnen ja dann diese Entwicklung eher entgegen …

… ja, das ist natürlich nicht nur schlecht für einen Anbieter wie uns.

Sie spielen mit Dornbracht stets mit an vorderster Front, wenn es um die Entwicklung von zukunftsorientierten Neuheiten geht. Wovon lassen Sie sich jeweils inspirieren?

Wir werfen unseren Blick auf die Megatrends, also jene Trends, die unsere Gesellschaft langfristig verändern. Dabei beschränken wir uns bewusst auf drei davon: Erstens die Individualisierung unserer Gesellschaft, zweitens die Digitalisierung – und damit verbunden die Vernetzung – und drittens die Gesundheit. Mit diesen Themen setzen wir uns seit Längerem auseinander und haben auch gute Antworten auf unsere Fragestellungen gefunden. Diese sind zum Teil bereits in unsere Neuheiten eingeflossen.

Und was sind das konkret für Produkte?

Wir sprechen da lieber von Produktkonzepten als von Produkten. Nehmen wir das Beispiel Gesundheit. Oder besser gesagt die Gesundheitsprävention. Diese kann durch tägliche Rituale im Bad hervorragend unterstützt werden – etwa mithilfe spezieller Strahlarten beim Duschen, durch verschiedenste Anwendungen wie Güsse und Bäder, oder auch mit unseren speziell entwickelten, dreiminütigen Treatments. Das sind programmierte Wasseranwendungen, die alle Wasserauslässe steuern und so gezielt eine gewünschte Wirkung entfalten. So können sie dazu beitragen, dass man gesund bleibt, natürlich nicht alleine durch die Hydrotherapie, sondern ergänzt durch eine gesunde Ernährung und eine generell gesunde Lebensweise. Aber man sollte nicht vergessen: Mit Wasser haben wir ein Medium, das schon seit der Antike zur Stärkung der Gesundheit angewandt wird.

Nach den Metalltönen Gold, Kupfer und Messing folgen prismatische Elemente wie dieser «Drehknopf» für den Wasserein- und auslass.

Wie sieht es beim Megatrend Individualisierung aus?

Beim Thema Individualisierung verfolgen wir zwei wichtige Themenstränge: Einerseits wächst die Vielfalt des Angebots eher, als dass sie zurückgeht. Das besondere Produkt wird in diesem Kontext zum Ausdruck der Persönlichkeit. Die andere Seite der Individualisierung ist die Digitalisierung. Diese trägt dazu bei, dass ich Treatments bekomme, die meinen ganz persönlichen Wünschen und Bedürfnissen perfekt entsprechen. Man kann also sagen: Hydrotherapie kann zur Prävention verschiedenster Zivilisationserkrankungen, wie beispielsweise Durchblutungsstörungen oder Rückenleiden, beitragen und kann dazu individuell auf Einzelpersonen, aber auch auf ganze Personengruppen eingestellt werden, die davon betroffen sind. Dies kann nur über eine Programmierung geschehen …

Hier gehts zu Teil 2 des Interviews

Interview: Philipp Bitzer
Bilder: Dornbracht Group


Zur Person

Andreas Dornbracht

Andreas Dornbracht, Jahrgang 1959, bewegt sich beruflich und privat am liebsten im magischen Dreieck von Design, Architektur und Kunst. Kommt noch das Thema Spa hinzu, ist sein Genuss vollkommen, da der persönliche Nutzen gleichzeitig privater und geschäftlicher Natur ist. Auch die Hotel- und Gastrobranche fasziniert den Unternehmer Andreas Dornbracht gleichermassen beruflich wie privat: seine Lust am Reisen ist ungebrochen und seine Affinität zur Haute Cuisine stark ausgeprägt. Andreas Dornbracht führt das Unternehmen in dritter Generation gemeinsam mit seinem Bruder Matthias Dornbracht. Mit ihren Söhnen Alexander Dornbracht und Konstantin Dornbracht ist auch die vierte Generation bereits im Unternehmen tätig.


Die Dornbracht Group

Mit ihren beiden Eigenmarken Dornbracht und Alape sowie dem Lizenzgeschäft mit Villeroy & Boch vereint die Dornbracht Group unter ihrem Dach drei Anbieter für Bad und Küche:

Dornbracht
Dornbracht ist ein international tätiger, familiengeführter Hersteller von hochwertigen Design-Armaturen und -Accessoires für Bad und Küche. Die Markenvision «Culturing Life» unterstreicht die langjährige Auseinandersetzung mit diesen Lebensräumen, die kontinuierlich zu neuen Fragestellungen und regelmässig auch neuen Technologien und Produkten führt.
www.dornbracht.com 

Alape
Alape ist eine Manufaktur für ästhetische Waschplatzlösungen im privaten und halböffentlichen Raum. Die Marke Alape steht für emotionalen Purismus: Durch einen individuellen Gestaltungsspielraum entscheiden Kunden – ganz ihrem persönlichen Stil entsprechend – über Ausprägung und Emotionalität ihres Waschplatzes.
www.alape.com

Lizenzgeschäft Dornbracht mit Villeroy & Boch
Seit 2001 ist Dornbracht Lizenznehmer der Marke Villeroy & Boch und produziert und vertreibt deren Badezimmer-Armaturen und -Accessoires. Alle Produkte werden bei Dornbracht in Iserlohn hergestellt und über die Dornbracht Vertriebsorganisationen weltweit vertrieben.