Nur Bares ist Wahres – oder?

17. Juli 2025

In der Eventgastronomie ist «cashless only» schon akzeptiert, im Restaurant allerdings noch umstritten. Das sagen Profis zur Frage.

Mit bis zu einer Million Menschen ist die Street Parade das grösste jährlich stattfindende Fest der Schweiz. Klingt es nicht verrückt, dass man da bis vor wenigen Jahren sein Getränk in der Augusthitze nur bar bezahlen konnte? Erst vor sieben Jahren akzeptierte die Organisation kein ausländisches Geld mehr. Der Grund: Falschgeld im fünfstelligen Bereich. Bezahlen mit Karte oder App war nicht möglich, zumal das Netz für einen solchen Ansturm noch nicht stabil genug war. Erst Covid-19 brachte den Umschwung. Seit 2024 tanzt die Street Parade komplett bargeldlos.

750 Wallee-Geräte, verteilt auf 120 Verkaufsstellen, sind da während zwölf Stunden im Einsatz. Dinaco, eine Firma mit Hauptsitz in Rotkreuz, ist für das Kassensystem verantwortlich. Sie programmiert die Geräte, setzt sie für den Event auf, ordnet sie den entsprechenden 120 Verkaufsstellen zu. «So konnten wir das Diebstahlrisiko senken, sind effizienter vor dem Gast und viel schneller bei der Abrechnung», resümiert Patricia Simon, die bei der Street Parade für die Zahlungsabläufe zuständig ist. Anfangs sei sie besorgt gewesen, ob das Netz für so ein Mega­event stabil genug sein würde. Mittlerweile vertraut sie der Sache. Zu Spitzenzeiten verzeichnet die Street Parade bis zu 1000 Transaktionen pro Minute.

Nur Bares ist Wahres? Eine veraltete Weisheit. Laut einer Umfrage der Schweizerischen Nationalbank wollen 95 Prozent der Befragten zwar auch in Zukunft nicht auf Bargeld verzichten, doch fast alle zücken an der Kasse nur noch ihre Karte oder halten das Handy ans Lesegerät. Twinten hat sich im schweizerdeutschen Wortschatz eingenistet. «Die Gastronomie gehört zu den Bereichen, in denen Twint besonders häufig eingesetzt wird», so Demet Biçer, Sprecherin des Unternehmens. «Von kleinen Cafés bis hin zu grösseren Restaurantketten, wir rechnen mit einer Abdeckung von 75 bis 80 Prozent.» Laut Swiss Payment Monitor 2025 wickelt Twint heute rund zwei Drittel aller mobilen Zahlungen in der Schweiz ab. Der Vorteil im Restaurant zeigt sich insbesondere bei Gruppen: Eine Person bezahlt die Rechnung, die anderen am Tisch twinten ihr ihren Anteil.

Und was ist denn nun mit dem Bargeld? In der Eventgastronomie nehmen mittlerweile zahlreiche Veranstalter kein Cash mehr an. Das Open Air St. Gallen geht diesen Weg bereits seit 2013. 

Während die Eventbranche längst auf «cashless only» setzen, bleiben viele Restaurants skeptisch. Doch einige Betriebe wagen den Schritt – mit erstaunlichen Ergebnissen. Warum die Familie Wiesner Gastronomie AG seit Ende 2023 kein Bargeld mehr akzeptiert, welche Tools sie nutzt – und warum sich der Wirtepräsident Maurus Ebneter trotzdem gegen eine komplette Abschaffung ausspricht, lesen Sie im zweiten Teil unseres Artikels in der neusten Ausgabe von marmite professional, die sich dem Thema Digitales und Technik.

Text: Benny Epstein

Fotos: ZVG

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