Foie gras – ja oder nein?
Ist der Verzehr der Stopfleber noch vertretbar? Eine heisse Debatte zwischen Tradition und Moderne. Sternekoch Christian Kuchler sagt Ja, Kochbuchautor Richard Kägi Nein.
Kulinarische Tradition oder überholtes Relikt? Foie gras polarisiert. Im Juli beschloss der Bundesrat die Einführung einer Deklarationspflicht für gewisse importierte Lebensmittel. Künftig muss bei Rind-, Schweine-, Hühner- und Truthühnerfleisch, Froschschenkeln, Kuhmilch und Hühnereiern ein Vermerk angebracht sein, dass die Produkte mit schmerzverursachenden Eingriffen ohne Schmerzausschaltung gewonnen wurden, falls solche Praktiken zur Anwendung gelangten. Zudem muss ein Zwangsernährungshinweis auf Produkte aus der Stopfmast.


Ein grosser Schritt für Tierfreunde? Nein, ein Feigenblatt. Stopfleber oder Foie gras darf bereits heute nur als solche betitelt werden, wenn sie von gestopften Enten oder Gänsen stammt. Eine Stopfleber ist immer mit Tierquälerei verbunden. Die von den Behörden geforderte Kennzeichnungspflicht kann diese aber nur beanstanden, wenn der Nachweis der Tierqual gelingt. Die Behörden müssten ausländische Produktionsbetriebe kontrollieren – rechtlich schwierig, aufwandmässig unrealistisch.
200 000 Kilogramm Stopfleber führt die Schweiz jährlich ein und ist damit eines der wichtigsten Importländer. Die Produktion ist hierzulande aufgrund der Tierquälerei verboten. Und: Mehr als 70 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer essen keine Foie gras. Laut einer 2018 / 2019 durchgeführten Umfrage konsumieren in der Deutschschweiz nur 15 Prozent der Befragten Foie gras, in der Romandie sind es hingegen 71 Prozent, im Tessin 49 Prozent.
Im Februar 2024 hat die Bundeskanzlei die Unterschriften für die Initiative zum Importverbot der Stopfleber beglaubigt. Der Bundesrat hat der Bundesversammlung im April 2024 die Ablehnung der Initiative empfohlen. Im Januar 2025 haben die Anhörungen im Parlament begonnen. Foie gras in der Schweiz – ja oder nein? Ein heisses Thema.
Lesen Sie im zweiten Teil im neusten marmite professional, wie sehr das Thema Foie gras die Gourmets polarisiert. Für Sternekoch Christian Kuchler ist sie kulinarisches Erbe und ein Renner auf der Karte, während Richard Kägi sie als Symbol für Tierleid entschieden ablehnt. Zwei Welten prallen aufeinander – Genusskultur trifft auf Ethik und Moral.
Text: Benny Epstein
Fotos: ZVG
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