Abenteuer Alltag

26. Januar 2026

Vom grössten Auftrag über die spannendste Begegnung bis zur schwierigsten Aufgabe: Wir lassen F & B-Verantwortliche aus ihrem Berufsleben erzählen.

Wotsch Lämpe?

«Ich bin Ungar, habe im Service angefangen und mich bis zum Director of F & B weiterentwickelt. In 20 Jahren in der Schweizer Gastronomie habe ich viel erlebt. Ich erinnere mich an eine Geschichte aus meinen Anfängen hier im Land: Ich sprach schon ziemlich gut Deutsch, hörte aber doch noch ein Jahr nur zu, um die Eigenheiten der Schweizer Sprache zu lernen. Damals musste ich mir eine neue Tischlampe kaufen, was ich auch tat. Am Abend bekamen Stammgäste Pro­bleme miteinander, ich ging dazwischen. Sie riefen: ‹Wotsch Lämpe?› Ich natürlich: ‹He, Lampe? Nö, danke, habe schon eine gekauft.› Dabei dachte ich mir: Die Schweizer sind schon nett, aber woher ­wissen die, dass ich eine Lampe brauchte? Nach diesem Spruch war alles wieder gut, die Gäste lachten – und ich verstand nicht, wieso. Eine andere Anekdote erlebte ich mit Michail Sergejewitsch Gorbatschow, der damals fürs Green Cross in der Schweiz tätig war und bei uns im Hotel übernachtete. Der Assistent verbot mir ausdrücklich, seinem Chef ein Dessert anzubieten, da dieser ein Problem mit dem Zucker habe. Eines Abends allerdings fragte Herr Gorbatschow nach Dessert oder Glace. Ich überlegte, ob ich ihm sagen soll, dass es mir verboten worden war, ihm das anzubieten … Am Schluss gab ich ihm aber doch eine Kugel Glace – und bat ihn, seinem Assistenten nichts zu verraten.»

Gerry Holop

Director of F & B, Central Plaza Hotel, Zürich

Rollentausch im Team

«An einem verschneiten Nachmittag mitten in der Hochsaison gingen im Hotel die Lichter aus. Zu Beginn konnte keiner ahnen, dass sich der grossflächige Stromausfall bis in den späten Abend ziehen würde, und so musste eine He­rausforderung nach der anderen gemeistert werden. Die grösste Challenge: das Abendessen für die Gäste. Speisen im Dunkeln? Was bieten wir an? Wie sieht es mit dem Buchen und den Rechnungen aus? Schnelle Entscheidungen und Anpassungen waren gefragt: Hunderte von Kerzen mussten im Lokal aufgestellt, das Speiseangebot angepasst werden. Das Bild war einzigartig: Alle verfügbaren Mitarbeitenden, vom General Manager bis zur Rezeptionistin, bemühten sich, das Beste aus der Situation zu machen. An diesem Tag wurde der Hoteldirektor zum Koch ernannt, arbeitete der Vizedirektor wieder als Kellner und herrschte eine harmonische, lustige Atmosphäre im Team. Und die Gäste nahmen es mit Humor!»

Alexander Rössler

F & B-Manager, Radisson Blu Hotel Reussen, Andermatt

Cate an der Bar

«Vor ein paar Jahren waren Cate Blanchett und ihre Familie bei uns zu Gast. Am ersten Abend speisten sie im Grand Restaurant 7132 Red – doch die Ruhe wurde rasch von neugierigen Blicken und gezückten Handys gestört. Am nächsten Tag zog es sie deshalb in die Blue Bar. Ganz ohne Starallüren, charmant und unkompliziert – fast schon wie Stammgäste. Beim Abschied fragte ich Cate, wie sie Vals gefunden habe. Sie lachte, zeigte auf ihren Mann und sagte: «Seine Schuld. Wir sind extra aus Aus­tralien hergeflogen – er meinte, jeder Mensch müsse einmal im Leben die 7132 Therme in Vals gesehen haben.» Ich nickte – und dachte mir: Für so etwas fliegen andere Leute bis ans Ende der Welt. Auch Holly-wood-Stars.»

Tony Lampis

Chef de Bar, 7132 Hotel, Vals

Ob spontane Reklamationen, logistische Kraftakte oder heikle Entscheidungen in Sekundenbruchteilen: Der Alltag von F&B-Verantwortlichen voller Herausforderungen. Weitere persönliche Geschichten zeigen, wie viel Organisation, Fingerspitzengefühl und Teamarbeit hinter einem gelungenen Gästeerlebnis stecken. Lesen Sie die weiteren Stimmen im aktuellen marmite professional.

Text: Sarah Kohler

Fotos: ZVG

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