Bio mit Mehrwert

15. März 2022

Im Luzerner Roggliswil treffen wir Daniela und Josef Steinmann. Zusammen mit ihren drei Töchtern bewirtschaften sie den Biohof Netzelen. Das sind 25 Hektar Acker-, Wies- und Weideland, die es auch ermöglichen, die Tiere mit dem selbst angebauten Futter zu versorgen. Der Betrieb ist Bio-Knospe- und Demeter-zertifiziert. Wir haben mit den Steinmanns über Mehrwert diskutiert – und teilweise unerwartete Antworten erhalten.

Gleich zu Beginn unseres Gesprächs kommt Josef Steinmann auf den Murhof in St. Urban zu sprechen. «Heimleiter Ueli Eggimann übt seinen Beruf mit ganzem Herzen aus», sagt er. «Hochwertige Lebensmittel haben für ihn bei der Betreuung der betagten Menschen eine zentrale Bedeutung. Denn sie versorgen in seinen Augen mit Leben – eine Einschätzung, die wir teilen.»

Auf seinem Hof steht für Josef die Tierhaltung im Zentrum. Er ist überzeugt, dass die Tiere nicht nur art-, sondern auch wesensgerecht gehalten werden müssen. Den Unterschied zwischen Bio-Knospe und Demeter erklärt er wie folgt: «Bei Bio-Fischen im Teich werden alle Bio-Regeln eingehalten, bei Demeter schwimmt der Fischzüchter mit im Becken.» Jedes Tier hat eine Aufgabe und damit eine Bedeutung auf dem Hof. «Die Aufgabe einer Kuh zum Beispiel ist es nicht, uns mit Milch und Fleisch zu versorgen, sondern die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen.» Eine starke Aussage, die zum Nachdenken anregt, auch und gerade mit Blick auf die aktuelle Diskussion über verschiedene Formen der Ernährung.

Zurück zum Mehrwert: Das Thema ist alles andere als einfach, sondern komplex wie ein reifer Wein. «Die Kunden bestätigen die Qualität» sagt Josef. Das scheint der Gipfel von allerlei Bemühungen und Auseinandersetzung mit dem Lebensmittel entlang der Wertschöpfungskette zu sein. Aber der Reihe nach. «Wir arbeiten mit dem Boden, bevor überhaupt eine Pflanze darauf wächst. Wir wollen den Boden und die Pflanzen stärken und nichts bekämpfen». Äcker werden vorbereitet, im späten Winter gehen Daniela und Josef über die Felder und räuchern die Umgebung. Ihre Arbeit hat eine feinstoffliche, ja geistige Komponente, ist bisweilen geradezu meditativ.

Und funktioniert es? Man weiss es nicht so genau, aber der Mais gedeiht auch bei Trockenheit gut – und vielleicht ist ja die Frage falsch. Es geht um eine Einheit von Mensch und Natur, um kurze Kreisläufe, faire Preise. Kurz: um mehr Menschlichkeit und Achtsamkeit.

Dazu gehört, dass alles verwertet wird: Gartenabfälle werden zu Futter für die Tiere, genauso wie das weniger schöne Gemüse vom Feld. Das Abwasser aus der Spülung der Milchleitung wiederum ist eine Freude für die Schweine. Wieder ist der Mehrwert nicht direkt messbar. Die Kunden im Hofladen schätzen das ruhige Ambiente und haben die Gewissheit oder Vertrauen, dass hier der Natur geschaut und alles irgendwie recht gemacht wird.

Räuchern

Räuchern ist ein uraltes Ritual. Auf dem Bio-Hof Netzerlen wird es auch auf bei den Tieren angewendet. Zu Weihnachten und Neujahr, als Zeichen der Dankbarkeit, oder wenn die Kälber husten. Ob es wirkt? Mein Mann würde es nicht machen, wenn es nichts nützen würde, sagt Daniela Steinmann. Daniela ist hauptberuflich Lehrerin an der Gesamtschule St. Urban. Einen grossen Teil ihrer freien Zeit widmet sie neben der Arbeit auf dem Hof der freien Ritualbegleitung.

Mehr Info: www.rituale-raeuchern.ch

Mehr Info über den Bio-Hof-Netzerlen: www.biohof-netzelen.ch

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