Wie misst man Frieden?

28. August 2025

Silvana Lindt leitet die Organisation, Ivan Monaco stand in Nepal im Einsatz: ein Gespräch zum 20. Geburtstag von Cuisine sans frontières – über Werte, Wirkung und Wachstum.

Sie sind vor Kurzem von einer einjährigen Reise zurückgekehrt, die Sie unter anderem nach Nepal geführt hat – zu einem Projekt von Cuisine sans frontières (Csf). Macht so eins tatsächlich einen Unterschied in der Welt?

Ivan Monaco (IM): Alles macht einen Unterschied! Es ist sicher schwer, in dieser Welt einen grossen Effekt zu haben – aber das ist meiner Meinung nach gar nicht entscheidend. Es geht nicht darum, wie gross der Unterschied ist, den man macht, sondern, welche Qualität er hat. Und das Projekt Sarvaguna Kitchen bewirkt auf jeden Fall Gutes. 

Und wie schätzen Sie das aus der bürokratischeren Perspektive gesehen ein?

Silvana Lindt (SL): Für uns als Organisation ist es auf jeden Fall wichtig, einen Unterschied zu machen. Wir arbeiten wirkungsorientiert, und bevor wir ein Projekt lancieren, prüfen wir, ob wir mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, wirklich etwas ausmachen können.

Lässt sich das denn messen?

SL: Diese Frage beschäftigt uns stark. Gewisse Indikatoren gibt es natürlich: Wir können beziffern, wie viele Jugendliche wir ausbilden, welche von ihnen den Einstieg in die Berufswelt finden oder wie viele Mahlzeiten wir verteilen. Aber was für Csf eben auch wichtig ist, ist, dass die Menschen zusammenkommen, ein interkultureller Austausch stattfindet, wir den Dialog fördern und Vorurteile abbauen – das lässt sich kaum messen. Oder auch die Frage der Friedensförderung: Wann ist Frieden erreicht? 

Sicher ist: Der Kitchen Battle, der jährliche Charity-Event in Luzern, Bern und Zürich, ist ein Kassenschlager.

SL: Wir sagen immer: Der Kitchen Battle ist unser Grümpelturnier! Hier kommen unsere Mitglieder zusammen, hier treffen junge, coole Küchenteams auf etablierte Gastronominnen und Gastronomen. Diese Strahlkraft haben die Events aber nur, weil dahinter OK-Teams stehen, die sie in Freiwilligenarbeit stemmen. Das ist der Wahnsinn, ein unglaublicher Einsatz! Und für uns als Organisation bieten die Battles die ideale Plattform, um unsere Projekte näher vorzustellen – während die Menschen an langen Tischen sitzen, sich austauschen, geniessen. 

Das fasst den Grundgedanken ganz gut zusammen. Wie viel von der anfänglichen Philosophie steckt denn nach 20 Jahren noch in der Organisation?

SL: Der Spirit ist geblieben. Csf ist als kleiner Piratenverein entstanden, inzwischen haben wir viele Bereiche professionalisiert, mit Geschäftsstelle und Spesenreglement etc. Und doch sind wir nach wie vor sehr eng mit der Community verbunden und nah an der Basis dran. Davon zeugt auch die Tatsache, dass viele unserer Projekte als Ideen an uns herangetragen werden. Diese Nähe wollen wir unbedingt behalten.

Wie viel Wachstum ist gut – und wo zieht Cuisine sans frontières die Grenze?
Im zweiten Teil des Gesprächs in unserer neusten Ausgabe des marmite professional erzählen Silvana Lindt und Ivan Monaco, wie Projekte in Kenia Schule machen, warum der Süd-Süd-Austausch künftig im Zentrum steht und was Freiwillige wirklich mitbringen müssen, um vor Ort etwas zu bewirken.

marmite professional 03/25

Im Gespräch

Text: Sarah Kohler

Fotos: Emanuel Ammon, ZVG

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