Immer 24 Stunden frischer

5. Januar 2022

In Altbüron im malerischen Luzerner Hinterland bewirtschaften Fabienne Emonin und Toni Büchler 14 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Ihr wichtigstes Standbein ist der Anbau von Obst und Gemüse – die eigentliche Spezialität ihres Hofs mit 120 Hochstammbäumen sind aber Kräuter und Beeren. Diese liefern sie unter anderem an die Firma Ricola in Laufen oder verkaufen sie als Teemischungen. Ein Teil der Ernte – vom Apfel bis zum Sellerie – ist stets auch im eigenen Hofladen zu finden oder auf dem Markt in Altbüron. Hinzu kommen Partnerschaften mit der Gastronomie, zum Beispiel mit dem Alters- und Pflegeheim Murhof im nahen St. Urban.

Toni, ihr schreibt auf eurer Website, dass ihr sowohl für den Hofladen als auch für Grossabnehmer produziert. Wo liegen die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Geschäftsfeldern?

Die Grossen geben uns Sicherheit, helfen uns dabei, langfristig zu planen. Die Abnahme ist geregelt, Verpackung und Logistik genau definiert. Im Hofladen oder gegenüber der Gastronomie sind wir Direktvermarkter und müssen auf die individuellen Bedürfnisse der Kundschaft eingehen können. Entscheidend ist eine gute Balance zwischen den beiden Zweigen.

Was braucht es für lohnende Beziehungen mit der Gastronomie?

Einen guten Draht zu den Menschen. Der Küchenchef oder die Betriebsleiterin wollen wissen, woher die Produkte kommen, wer sie anbaut und unter welchen Bedingungen sie wachsen. Durch den direkten Kontakt können wir auch viel besser auf die spezifischen Bedürfnisse unserer Kunden eingehen. Diese haben im Gegenzug mehr Verständnis, wenn ein Rüebli einmal nicht aussieht wie aus dem Bilderbuch oder Beeren erst relativ spät reif sind. Landwirtschaft ist kein Wunschkonzert.

Warum funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Alters- und Pflegeheim Murhof so gut?

Weil wir uns regelmässig austauschen. Ich habe Küchenchef Hanspeter Howald zum Beispiel erklärt, warum es von einer Obst- oder Gemüsesorte zu gewissen Zeiten nur ganz kleine oder ganz grosse Kaliber gibt. Er versteht die Gesetze der Bio-Landwirtschaft und lässt sich darauf ein. Am Schluss profitieren beide Seiten. Die Menschen im Murhof schätzen die Qualität der direkt eingekauften Produkte. Die Wege vom Feld in die Küche sind sehr kurz. Die Ware gelangt mindestens 24 Stunden schneller auf den Teller, als wenn der Betrieb sie über den Handel erwerben würde.

Eine Partnerschaft mit viel Potenzial also…

Absolut! Weil das gegenseitige Verständnis wächst, haben wir für 2022 zusammen eine Anbauplanung gemacht. So verfügen wir auch im direkten Geschäft über mehr Planungssicherheit.

Auf eurem Hof gedeihen auch zahlreiche ganz spezielle Kulturen. Wie kam es dazu?

Am Anfang war das einfach eine wilde Idee. Nach einigem Nachdenken und Tüfteln haben wir dann mit der Umsetzung begonnen, pflanzen nun Schlüsselblumen, Thymian, Salbei, Schabzigerklee und Gojibeeren an. So wurde aus einem spontanen Einfall eine grössere Sache. Selbstverständlich prüfen wir vorab jeweils, ob eine ausreichende Nachfrage für ein Produkt besteht. Und wenn eine spezifische Anfrage kommt, muss es auch zwischenmenschlich passen.

Gibt es etwas, das du auf deinem Hof niemals machen würdest?

Christbäume anpflanzen! Und Kühe melken werde ich auch nie.

Neben Deiner Tätigkeit als Hof-Unternehmer bist du Präsident von Bio Luzern. Wie gastronomietauglich sind die Luzerner Bio-Bauern?

Da gibt es noch einiges zu tun. Wir müssen besser kommunizieren, was in der Region erhältlich ist. Zudem sollten wir die Kooperationen zwischen uns Landwirten intensivieren. Um in der Gastronomie nachhaltig Fuss zu fassen, braucht es Zeit. Wir müssen also am Ball bleiben und gleichzeitig geduldig sein. Wer mit gastronomischen Betrieben zusammenarbeiten möchte, braucht ein hohes Mass an Flexibilität. Vor allem müssen wir den Gastronomen aber aufzeigen, dass die Preise für Bio-Produkte dank der Direktvermarktung absolut konkurrenzfähig sind. Unser Gemüse sieht nie einen Lastwagen von Innen, wir sind so nah am Kunden!

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