Was Touristen geniessen

2. Oktober 2026

Kulinarik und Gastronomie sind zentrale touristische Bedürfnisse. Wie stehen Schweizer Tourismusorganisationen dazu?

Zählt man die Sterne, ist die Schweiz eine gastronomische Macht. Denn die Auszeichnungen des Guide Michelin sind eine internationale Währung – entsprechend haben sie Aussagekraft, wenn es um die Relevanz der Gastronomie eines Landes geht. Rangiert man die Länder Europas anhand ihrer Michelin-Sterne, erscheint die Schweiz auf Rang 6. Nur Frankreich, Italien, Deutschland, Spanien sowie die gemeinsam gewerteten Länder Belgien und Luxemburg kommen auf grössere Summen als die Schweiz mit ihren 145 Sternen. Setzt man diese ins Verhältnis zu den Einwohnerzahlen, ist die Schweiz gar Spitzenreiterin. Auch noch vor Dänemark, dem Land, das mit seiner Nordic Cuisine die Spitzenküche in den vergangenen Jahren stark beeinflusst hat. 

Wenn das kein Argument ist für den Tourismus! Tatsächlich ist jedoch gerade die Spitzengastronomie kaum ein Faktor, der von den Schweizer Tourismusorganisationen explizit vermarktet wird. Die Toplokale sind vielmehr eine Kategorie für sich: Sie ziehen ihr internationales Publikum durch die Auszeichnungen an, in der breiten Vermarktung spielen sie eine untergeordnete Rolle. 

Bekannte Genussfestivals im Engadin und Tessin 

Konkret für die Sternegastronomie stehen vor allem privat organisierte Foodfestivals: Im Engadin hat das 1994 gegründete St. Moritz Gourmet Festival mittlerweile internationales Renommee erlangt. Eine Stufe kleiner gilt das auch im Tessin für Sapori Ticino, das dieses Jahr sein 20-Jahr-Jubiläum feiert. Durchaus auch dazu zählen kann man Food Zurich. Das Genussfestival überzeugte in den vergangenen zehn Jahren mit einem Angebot, das Kulinarik und Gastronomie in der ganzen Breite präsentierte. 2026 pausiert Food Zurich jedoch, im nächsten Jahr übernimmt Zürich Tourismus und plant, mit einem neuen Konzept weiterzufahren.

Rudi Bindella (Zürich Tourismus)

Generell gibt es Bewegung in der Tourismusorganisation der Stadt mit der wohl spannendsten Gastronomieszene des Landes. Mit Rudi Bindella wurde im Mai ein Gastronom in den Vorstand von Zürich Tourismus aufgenommen. Die übrigen Mitglieder kommen aus Hotellerie, Politik und Verwaltung. Um konkrete Initiativen zu präsentieren, sei es aber noch zu früh, sagt Bindella.

Natürlich wollen die Touristen in der Schweiz gut essen. Aber es ist kein Primärziel. Schweiz Tourismus kann das ziemlich explizit sagen: Die nationale Tourismusorganisation hat durch ihre wiederkehrende Gästebefragung, den sogenannten Tourismusmonitor, ein ziemlich genaues Bild darüber, was die Gäste in die Schweiz bringt. Gemäss des Monitors sind die Hauptgründe Natur, Berge, Schnee und Sport. 

Schokolade bleibt ein zentrales Thema, wenn es um die kulinarische Präsentation der Schweiz im Ausland geht.

Wenn Foodcontent, dann Käse und Schokolade

Dürfen die Gäste in der Befragung mehrere Aktivitäten in ihren Schweizferien aufzählen, wird die Gastronomie am fünfthäufigsten erwähnt. Müssen sie sich allerdings auf einen Faktor beschränken, verschwindet die Gastronomie komplett vom Radar, weniger als ein Prozent der Befragten erwähnten sie als Hauptgrund.

«Wir sind keine Gastrodestination wie Frankreich oder Dänemark», sagt denn auch Schweiz-Tourismus-Sprecher Markus Tschannen. Was nicht heisst, dass man bei der Tourismuspromotion die Gastronomie nicht ernst nehme, im Gegenteil: «Wir sehen in dem Bereich viel Potenzial.»

Mit «Culinary Grand Tour of Switzerland» werden Schweizer Gäste angesprochen.t

Wenn Schweiz Tourismus in seinen Kampagnen Foodcontent präsentiert, setzt man vor allem auf jene Produkte, die im Ausland mit der Schweiz assoziiert werden: Käse und Schokolade. Das liegt auch daran, dass Branchenvertreter – in diesen Fällen Switzerland Cheese oder Lindt & Sprüngli – bereit sind, solche Promotionen zu finanzieren. Mehr Vielfalt bietet Schweiz Tourismus mit der Youtube-Serie «Culinary Grand Tour of Switzerland»(…)

Was hat die Schweiz kulinarisch jenseits von Käse und Schokolade zu bieten – und wie nutzen die Regionen dieses Potenzial für den Tourismus? Lesen Sie weiter im neusten marmite professional. 4/2026.

Text: Emil Bischofberger
Bilder: Schweiz Tourismus, Graubünden Ferien, Ticino Turismo

Könnte dir auch gefallen

Wer nicht schult, verliert

Sep. 2026

KI-Chatbots sind in vielen Gastrobetrieben angekommen. Doch zwischen erstem Ausprobieren und produktivem Einsatz liegt ein entscheidender Schritt: das...

KI-Chatbots sind in vielen Gastrobetrieben angekommen. Doch zwischen erstem Ausprobieren und produktivem Einsatz liegt ein entscheidender Schritt: das Training.

Ein Flan im Ölfeld

Aug. 2026

Ein Alltagshelfer mit praktischen Eigenschaften: Das unscheinbare Pulver Xanthan ist in der Profiküche längst etabliert. Aber nicht nur...

Ein Alltagshelfer mit praktischen Eigenschaften: Das unscheinbare Pulver Xanthan ist in der Profiküche längst etabliert. Aber nicht nur da.

Sein Netzwerk ist für alle da

Aug. 2026

Zehn Jahre Produzentenarena: Dominik Flammer über sein Erfolgsformat, mit dem er Köche und Produzentinnen verkuppelt.

Zehn Jahre Produzentenarena: Dominik Flammer über sein Erfolgsformat, mit dem er Köche und Produzentinnen verkuppelt.